Erlebnisorientierung statt Ergebnisorientierung

Unsere abendländische Gesellschaft hat sich in ihrer Ausrichtung auf Wettbewerb, Fakten und Wissenschaftlichkeit zu einer einseitig ergebnisorientierten Gesellschaft entwickelt. Das entspricht dem Ideal eines ‚funktionierenden’ Gesellschafts’apparates’, wie es manchmal so treffend genannt wird, und im Wort „Apparat“ verrät sich bereits der mechanistische Grundgedanke.

Menschen sind aber keine Apparate, und die kulturell inzwischen so tief verankerte Ergebnisorientierung macht Menschen krank. In meiner Praxis begegne ich oft Menschen, die nicht mehr tief genug an ihre ureigene Erlebnisfähigkeit herankommen, die dort eine Leere spüren, dafür aber in allen kognitiven Belangen sehr wach sind. Zu wach. Sie sind extrem stark außenorientiert, stehen permanent auf der Zuschauertribüne des Lebens, aber kaum je auf dem Spielfeld selbst, wenig also im eigentlichen Sein und um so mehr im (beobachtenden) Bewusstsein. Sie werden nicht wesentlich.

In der Arbeit am Tonfeld geht es genau darum: Wie werde ich wesentlich. Wie begegne ich meinem eigentlichen Sein. Wie kann ich mich als berührt erfahren? Wo rühre ich an den Lebensgrund? Die Arbeit ist in gewisserweise der genaue Gegenpol zur geläufigen Ergebnisorientierung. Sie ist rein erlebnisorientiert. Darüber ist schwierig zu sprechen, weil dann alles wieder im Kopf, im Bewusstsein nur verarbeitet werden kann und nicht die Erfahrung einholt, sich sein Leben zu er-leben. Er-leben heißt, sich immer tiefer mit dem Leben zu verbinden, den seelischen „Klangraum“ stetig zu weiten und zu klären, mitschwingfähiger zu werden.

Wenn sehr kopflastige Menschen zu mir in die Praxis kommen, sind sie in der Regel voll von Erklärungen, sind an ganz vielem interessiert, können über sehr vieles sprechen – eben immer nur über die Dinge, nicht von den Dingen. Ich selber habe solch intellektuelle Gespräche geliebt, weil man darin brillieren kann, sich auskennt, sich an Fakten entlanghangeln kann und somit gewissermaßen immer auf der richtigen Seite steht. Heute erscheint mir das seelenlos und wennzwar interessant, so doch im Kern irgendwie langweilig. Man hat es da mit lauter Richtigkeiten zu tun, aber nicht mit Wahrheit, nicht mit etwas, das anrührt und einen irgendwie in der Tiefe der Seele nähren würde. Es muss ja nicht alles nähren, aber wenn dieses so ganz ausbleibt, wenn man den Anschluss an diese Quelle verliert, verliert man sein Sinnerleben.

So gesehen ist die Arbeit am Tonfeld eine Arbeit, die genau in die heutige Zeit gehört und die vor allem auch die geistige, philosophische Durchdringung hat, um darauf ein andere Menschen- und Gesellschaftsbild gründen zu können.