Schulleistungen verbessern – Nachhilfe oder Tonfeld?

Eltern berichten häufig, dass mit der Arbeit am Tonfeld ihres Kindes auch die Schulleistungen besser würden. Ob da ein Zusammenhang bestünde, wüssten sie nicht, jedenfalls falle dem Kind aktuell die Schule leichter. Für eine Verbesserung der Schulleistungen wird normalerweise Nachhilfe in Anspruch genommen. Dass das bloße ‚Kneten mit Ton‘ (wie die Arbeit am Tonfeld oft viel zu verkürzt wahrgenommen wird) ähnliche Effekte hervorbringen sollte, klingt erst mal ungewöhnlich.

Wirksamkeit von Nachhilfe

Nachhilfe ist gewissermaßen die direkteste Art, mangelhaften Schulleistungen entgegen zu wirken. Nun sind Menschen aber keine Maschinen, und zur Wirksamkeit von Nachhilfe erklärte der  Präsident des dt. Lehrerverbandes Josef Kraus im August 2016 in einem Interview auf Spiegel-online:

„Nachhilfe ist meistens Unsinn. Ich halte sie nur in wenigen Fällen sinnvoll: Wenn ein Lernrückstand da ist, weil in ein anderes Bundesland gewechselt wurde, nach langer Krankheit oder in einer schwierigen familiären Situation. Aber man kann ein Kind nicht mit Nachhilfe zum gewünschten Schulabschluss boxen – und sollte damit schon gar nicht im Grundschulalter anfangen. Nachhilfe muss die Ausnahme bleiben und nach zehn bis zwölf Wochen ein Ende finden. Alles andere ist nur Gewissensberuhigung für die Eltern. Von den 1,5 Milliarden Euro, die Eltern im Jahr etwa für Nachhilfe ausgeben, sind wahrscheinlich mehr als eine Milliarde in den Wind geschossen.“

Bei unmotivertem Lernen streikt das Gehirn

Der Grund für schwache Schulleistungen liegt häufig nicht in mangelnder Intelligenz oder mangelndem Aufnahmevermögen, sondern mehr an einer weitgehenden Interessenlogiskeit oder Motivationslosigkeit, weil der zu lernende Stoff so wenig mit ihnen selbst und ihrem Lebensgeschehen zu tun hat. Ohne intrinsische Motivation ist es schon rein hirnphysiologisch sehr schwierig, längere Zeit die Aufmerksamkeit zu halten bzw. das mühsam Durchgekaute zu behalten. Auf die Großhirnfähigkeiten ausgerichteten Lernreize, die nicht von vitalen Impulsen aus dem Stammhirnbereich gestützt sind, reagiert das Gehirn mit einem Meidungs-  oder Abwehrmodus, der sich bisweilen in betonter Müdigkeit, Tagträumerei, leichter Ablenkbarkeit u.ä. ausdrückt.

Wenn das der Fall ist, muss die Förderung selbstredend an ganz anderer Stelle ansetzen, dass also die vitalen Kräfte wieder in Gang kommen, dass Interesse entsteht und die Motivation, Dinge aus eigenem Antrieb zu ergreifen, sie sich sich zueigen zu machen, d.h. Aspekte des eigenen seelischen Erlebens in den Dingen des Umgangs wiederzufinden und zu verhandeln. Nachhilfe kann im ungünstigsten Fall sogar das Motivationssystem weiter ausbremsen.

Beim Wesentlichen ansetzen

Genau an diesem Punkt setzt die Arbeit am Tonfeld an. Denn hier geht es um den Erwerb jener Erfahrung, sich in seinem Tun zu erfüllen, daraus neue Kräfte und neuen Antrieb zu schöpfen, sich in seiner ganzen inneren Organisation zu näheren und ein vitales Interesse an allen Lebensdingen zu entwickeln, nicht zuletzt auch den technischen und funktionalen.

Wenn ein Kind auf die Bahn seiner Motivationsbildung zurück findet, kann es sein, dass es Spaß an seinen neuen Erfolgen findet, so dass – im günstigen Fall – eine Aufwärts-Entwicklungsspirale entsteht. Was sich auf jeden Fall beobachten lässt, ist, dass Kinder, die vor allem in den ersten 6 Lebensjahren gut in ihrer Gefühls-Bildung entwickelt sind, von selbst in ein Interesse an Effekten und Funktionen und dem Erwerb neuer Kompetenzen hineinwachsen, für die die Schule dann den entsprechenden Stoff bietet und vermittelt.