Wie läuft eine Tonfeldstunde ab?

Die Tonfeldarbeit ist eine i.A. sehr freudvolle Arbeit. Hier wird nicht geschaut, welche ‚Probleme‘ vorliegen könnten oder was vielleicht in der Entwicklung alles schief gelaufen und aufzuarbeiten ist, sondern nur, welche Tendenzen in der Bewegung angelegt sind und wie sich der/die am Tonfeld Arbeitende in seiner/ihrer Bewegung erfüllt. 

Die Tonfeldarbeit beginnt genaugenommen schon mit dem Betreten des Raumes. Denn schließlich steht da das Tonfeld, was irgendwie mit einem zu tun hat. Man kann sich dem verweigern, man kann sich direkt draufstürzen, aber es fordert auf, irgendwie Stellung dazu zu nehmen.

Bei Kindern sitzt der Begleiter direkt gegenüber, greift aber selber nicht ins Feld ein (außer in Sonderfällen). Erwachsene arbeiten mit geschlossenen Augen. Der Begleiter sitzt seitlich, nicht zu dicht, gewissermaßen außerhalb der ‚Eigensphäre‘ des Tonfeld-Arbeitenden. Es gibt keine Anweisung, was zu tun ist, nur als einleitenden Satz die Aufforderung, das Feld mit den Händen mal wahrzunehmen (bei Kindern erübrigt sich dieser einleitende Satz in der Regel).

Dann beginnt also das Handlungsgeschehen am Tonfeld, irgendwie, was aber einer für alle Menschen gleichermaßen gültigen Grammatik folgt. Der Begleiter sagt relativ wenig, brummelt manchmal nur, aber in diesen minimalen Äußerungen vermittelt er Halt, bezeugt, und hebt bestimmte Aspekte der Bewegung hervor. Immer ist die Ansprache freilassend, nie all zu konkret. In diesem Sinne ist die Arbeit am Tonfeld® eine averbale Arbeit. Dialoge finden nicht (oder nur extrem reduziert) statt, dass die Wahrnehmung bei der Bewegung bleiben kann. 

Mit den kleinen Hervorhebungen wird die für den geschulten Begleiter erkennbare Intention in den Händen angesprochen, sehr beiläufig und indirekt, aber eben so, dass derjenige sich in seiner Bewegungsintention erfüllen und sich eben nicht in Beliebigkeiten verliert. 

Wann die Arbeit fertig ist, erkennt man an der Bewegung der Hände. In ihnen steigt eine Empfindung von Fülle auf, sie kommen zur Ruhe, kommen an, und oft entsteht dann – jedenfalls bei Erwachsenen – eine sehr innige Stimmung, manchmal wie heilig, in der dann nichts mehr gesagt werden muss, aber in der sich vieles fügt, inne wird und auch wandelt. Kinder äußern dieses ‚Ankommen‘ anders, strahlen oft eine gewisse Glücklichkeit aus, sind motivierter (manchmal freilich auch erschöpft, wenn z.B. in dem so banal anmutenden Handlungsgeschehen starke seelische Arbeit geleistet wurde).

Abschließend findet bei Erwachsenen eine Nachbesprechung statt, ein Nachzeichnen der Sinnfolge des Handelns. Idealerweise ist die Nachbesprechung ein kleines Fest hinsichtlich dessen, was in diesem wie aus dem Nebel aufsteigenden und dann doch zur Prägnanz gefunden Handlungsgeschehen gewonnen wurde. Bei Kindern erfolgt das Nachgespräch mit den Eltern, dass sie das aktuelle Lebensbedürfnis des Kindes erkennen und verstehen können.

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