Warum ist die Arbeit wirksam?

Bisschen herumkneten und matschen im Ton, alles prima, aber: Kann das den Menschen in der Tiefe seiner Seele erreichen, ihn sogar wandeln, und zwar über den Moment hinaus? Viele fragen sich das. 

Der Selbst-Ausdruck ist das vitale Lebensbedürfnis des Menschen schlechthin. Ohne diesen wäre es gar nicht möglich, dass er sich selbst kennenlernte und sich in sich auskennen und ordnen könnte. Und dieser Selbstausdruck äußert sich nicht in spezieller künstlerischer Tätigkeit oder im Ausdruckstanz, sondern im ganz normalen Handeln an der Welt: In der Art des Herangehens, des Ergreifens und Aufgreifens, der Zögerlilchkeit, der Vagheit usw. Jeder seelische Zustand wirkt unmittelbar auf diesen subtilen Selbstausdruck.

Das ist aber keine Einbahnstraße. Wenn sich umgekehrt der Selbstausdruck verändert, wenn Zögerlichkeiten, Verkrampfungen, Verhinderungen im Ausdruck aufgegriffen und gewandelt bzw. gelöst werden können, wandelt sich auch die seelische Verfassung. Und es gibt ja in jeder spontanen Handlungsbewegung ein (unscheinbares) Bedürfnis, sich selbst in seiner Fülle zu erleben. Am Tonfeld wird der Klient darin so begleitet, dass er sich in diesem vitalen Bedürfnis tatsächlich erfüllen kann. Dazu muss er aber andere Formen des Äußerns, also seines (Handlungs)Ausdrucks erproben und erwerben. Wenn eine tendenziell schüchterne, ängstliche oder leicht krampfende Herangehensweise in eine gelöste und gelassene Handlungsweise übergeht, wirkt sich das auf das Lebensgefühl und die gesamte personale Organisation

Hirnphysiologisch gesprochen geht es um einen Ausgleich zwischen den Stammhirnimpulsen, die maßgeblich das vitale Erleben ausmachen, und den Großhirnimpulsen, die eher das Kontrollierende, Modulierende, Hemmende und Willentliche ausmachen. Diese Hirnorganisation ist schwierig. In der Atmung etwa kommen beide Impulse zusammen. Man kann unbewusst und willentlich atmen. In der Bewegungsorganisation sind die Verhältnisse sehr viel komplizierter, und dann geht es darum, wie das Willentliche und bewusste Handeln auch von der Lust, sprich Motivation unterlegt ist, wie dies zusammen kommen kann. Da müssen unterschiedliche Hirnimpulse miteinander abgeglichen oder einander ausgeglichen werden. Darum genau geht es. Und die Arbeit am Tonfeld ist genau so konzipiert, dass dies auch gelingen kann. 

Alte, bis in die Faszien eingeschriebenen Spannungsmuster (sog. somatische Marker) können sich auflösen, die Verbindung von Stammhirn und Großhirn kann, bildlich gesprochen, durchlässiger werden. Das bedeutet, dass der Mensch mehr bei sich ist, intuitiver ist, präsenter, selbstvertrauter, herzverbundender, kurz: menschlicher.